ROOMSTUDIES

Der Grundriss

Der Begriff Grundriss bezeichnet in der Architektur primär die zweidimensionale Darstellung eines Gebäudes oder Raumes als schematische Zeichnung. Er gibt maßstabsgetreu einen Eindruck über Aufteilungen, schreibt Nutzungen zu und kennzeichnet Strukturen. So wie der Blick auf eine Karte Orientierung schafft, so versteht sich der von Roomstudies initiierte Grundriss als eine grundlegende thematische Struktur. Er zeigt auf, welche Einheiten und Konstellationen innerhalb eines bestimmten Areals vorhanden sind bzw. widmet er sich derer durch unterschiedliche Methodiken in Theorie und Praxis.

Hierfür realisierte Roomstudies einen Vortrag, eine Freilichtaktion, Performance sowie ein raumgreifendes Bild- und Tonstück. Diese vier Punkte skizzierten das Freiraum Festival in seinen Säulen und begründeten, dem Programm am 8. und 9.  September vorangestellt, ein umfangreiches Themengebäude.

 

VORTRAG

Dominik Intelmann
»Historische Genese und politische Ökonomie von Freiräumen in Ostdeutschland«
 
In seinem Vortrag untersuchte der Humangeograph und Stadtforscher Dominik Intelmann, wie durch eine kapitalistische Wiedervereinigungspolitik die Produktionsmittelstrukturen Ostdeutschlands zerstört wurden. Bevölkerungsverlust, Leerstand, Förderprogramme für den Stadtumbau Ost – Folgefaktoren als Grundlage einer Umwidmung zu Freiraum und zugleich die Grundlage eines neuerlichen Aufschwungs. Raumpionier_innen, Kreative und Künstler_innen erweisen sich dabei als die »Minenhunde der Aufwertung« (Klaus Ronneberger), die nicht nur lohnenswerte Orte für Immobilieninvestments aufzeigen, sondern darüber hinaus mittels ihrer räumlichen, experimentellen Praxen in brachgefallenen Freiräumen ökonomische Potentiale freisetzen.
 
Freiräume sind demnach Orte des Experiments – mit all der damit verbundenen Ambivalenz.
 
Ort: Galerie Hotel Leipziger Hof | Hedwigstraße 1-3
Zeit: 14 Uhr

 

 

FREILICHTAKTION

Ben, Jan und Paul
»Die | | Lücke«

 
»Lücken sind seit mehr als einem halben Jahrhundert Teil der urbanen Assemblage von Leipzig. Nach und nach verschwinden sie leise. Ihr verstreutes Verschwinden begleitet und spiegelt die Transformation einer wachsenden Stadt. Das ist ein guter Zeitpunkt um über Lücken nachzudenken.«
 
Die drei Geographiestudierenden Ben, Jan und Paul versuchten während einer mehrstündigen Freilichtaktion für die Geschichten und Potenziale der (Bau-)lücke zu sensibilisieren. Picknick, Ausstellung, Lückentexte oder lyrisch-poetische Assoziationen – all dies lies während der gemeinsamen Zeit einen spielerischen und lockeren Umgang mit einem Stück Freiraum zu und regte an, dessen Möglichkeiten bewusster wahrzunehmen.
 
Ort: Brache auf der Eisenbahnstraße
Zeit: 15 Uhr

 

 

PERFORMANCE

Pilotenkueche / international art program
»Gentrifizierung«
 
Als die PILOTENKUECHE im April 2015 im Haus 27 am Neustädter Markt ein zweites Habitat – eine Art Zweigstelle Ost – fand, wusste niemand, dass die Präsenz kaum sechs Monate währen würde. Widrige Umstände zwangen die PK ihre Zelte abzubrechen, wonach stets der Wunsch einer temporären Rückkehr erhalten blieb. Mit einer performativen Intervention widmeten sich insgesamt sechs Residenzler_innen dem Phänomen, vielmehr Problem, Gentrifizierung. In einem kollektiven Prozess wurde ein Stück Raum erobert. Doch ging es dabei ausschließlich um eine symbolische Landnahme oder vielleicht doch um die Verarbeitung erfahrener Traumata?
 
http://www.pilotenkueche.net

Ort:
Lene-Voigt-Park
Zeit: 18 Uhr

 

 

RAUMGREIFENDES BILD- UND TONSTÜCK

Audio Experiment #21
»Nach uns die Sintflut«
 
Audio Experiment #21 verband eine Konzert-Performance mit einer begehbaren Installation aus Projektionen und Objekten. Das raumgreifende Zusammenspiel aus Musik, Vokalkomponenten und Medienkunst schuf eine Umwelt, die im Begriff ist kleiner zu werden, gar zu verschwinden. Dabei waren alle Besucher_innen Teil eines umgebenden Komplexes, dessen aktive Wahrnehmung in Raum und Zeit (zer-)fiel. »Der Raum breitet sich aus, fließt auf uns zu, doch plötzlich werden unsere Schritte kleiner. Wir landen auf einer Insel, umgeben von Lärm. Uns bleibt nichts als Staub und Gras.«
 
Das Experiment versprach Einblick in einen ungewöhnlichen Ort, dessen Standort bis zuletzt unbenannt blieb. 
 
Es spielten: 
Verónica Mayo aka señora (Videokunst)
Robin Lambrecht (Videokunst)
Gwen Kyrg (Stimme)
Jan Frisch (Gitarre)
Malte Sieberns (Piano)

und: Jascha Riesselmann & Olav Amende (Literaturperformance),
Sven Glatzmaier (Installation & Skulptur),
Matthias Garff (Videoinstallation),
Santiago Pastor (Videoinstallation),
Sofia Siesta (Installation)
 
Zeit: ab 20.30 Uhr

 

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