ROOMSTUDIES

Spatial Turn


„Alles was existiert, jemals existiert hat, je existieren wird, hat eine wichtige räumliche Dimension, und eine kritische räumliche Perspektive auf alles, was als existent denkbar ist, kann uns eine wesentliche Hilfe sein, die Welt zu verstehen.”1

Beim Spatial Turn handelt es sich um einen Terminus, der seinen jüngeren Ursprung in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts sucht. Herrschte bis dato eine historische Betrachtung von Weltgeschehen vor, rückte nun eine räumliche Charakterisierung stärker in den Vordergrund. Zwar thematisierte die Geographie den Raum als etwas materiell und sinnlich Wahrnehmbares - eine fassbare und messbare Oberfläche - jedoch spiegelte sich darin noch immer eine Zeitperspektive wider. Jener, nach Edward D. Soja benannte
Firstspace, entwarf [...] den Hauptraum, auf den sich Geographen und andere räumlich orientierte Denker lange Zeit konzentriert hatten.”2 An dieser Stelle treten Henri Lefebvre und Michel Foucault in Erscheinung, um den benannten physikalischen Raum, u.a. um eine mentale Ebene, also den Gedanken über Raum, zu erweitern. Der Conceived Space oder Secondspace meint ein Raumdenken, das uns mehr über den physikalischen Raum erfahren lässt. Zusammenfassend haben wir demnach

a) den Firstspace oder objektiven Raum,

also jegliche materielle Form, sowie

b) den Secondspace, als einen subjektiv mentalen Raum,

das mentale Raumdenken.

Laut Soja liegt es an einem guten Geografen, die objektive und subjektive Ebene miteinander zu verbinden und nicht eine der beiden zu Gunsten einer anderen zu exkludieren. Die Wahrnehmung von Raum, Gegenstand und Oberfläche, soll zum Denken über Raum führen. Aber was hat es nun mit dem Spatial Turn auf sich?

Der sogenannte räumliche Wandel, zielt nicht auf eine stärkere Verbindung der Spaces-Ebenen ab, sondern versucht vielmehr Raum als das Ergebnis eines Prozesses zu begreifen. Mit der Veröffentlichung von La production de l’espace? 1974, thematisierte Lefebvre, statt der Herstellung eines physikalischen Konstruktes, die Produktion von Raum im Sinne eines gesellschaftlich aktiven, dynamischen Prozesses.Wesentlich ist: wenn wir annehmen, dass der Raum gesellschaftlich erschaffen wird, dann erkennen wir, dass wir ihn ändern können.”3 Das Bewusstsein zur Maßgabe von Raum, bedingt eine aktive Teilnahme, womit dem Individuum neue Möglichkeiten zur (Re-)Strukturierung, einem räumlichen Wandel, eingeräumt werden. Und dies sowohl in einem planerischen als auch politischen Verständnis.

 

Jene Möglichkeitsräume/Potential Spaces möchte u.a. das Freiraum Festival 2017 thematisieren.




1 Döring, Jörg: Spatial Turn, Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, transcript Verlag, Bielefeld, 2008, Seite 252
ebd., S.251
3 ebd., S.255

 

 

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